Geschäftshäuser in der Wallstraße um 1900
Nahe der Grünstraßenbrücke nutzte die Firma Ravené die zentrale Wasserlage der Wallstraße. Seit 1833 handelte sie hier mit Eisen, das u.a. für das im Entstehen begriffene Eisenbahnnetz genutzt wurde. Nach der Erweiterung der Wallstraße Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Ravené-Haus am Ufer, das zudem über eine umfangreiche private Gemäldesammlung verfügte, abgerissen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Wallstraße 5-8 ließ die Firma Ravené um 1896 ihren neuen Hauptsitz errichten.
Ebenfalls am Spittelmarkt erwarb die Familie Spindler nach der Eröffnung einer Dampffärberei in der Wallstraße 12/13 im Jahr 1841 auch die umliegenden Grundstücke und ließ dort 1901 das Geschäfts- haus Spindlershof errichten. Während die Wäscherei nach Erfindung der chemischen Reinigung 1850 nach Oberspree (heute Spindlers- feld) ausgelagert wurde, verblieb das Hauptkontor in der Wallstraße. Das Gebäude Spindlershof befindet sich noch heute an der Wallstraße 9-13. Und auch der von der Familie Spindler zum 50 jährigen Firmen- jubiläum 1891 gestiftete Spindlerbrunnen ist erhalten und steht nach mehrfachem Standortwechsel seit 2007 wieder am Spittelmarkt.
Darüber hinaus entwickelte sich die Wallstraße zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Standort der Textil- und Kreativwirtschaft. Diese Wurzeln werden heute von den „Wallcity Showrooms“ in der Wallstraße 16, die namhafte Modelabels beherbergen, aufgegriffen. Erbaut wurde das viergliedrige Gebäude in der Wallstraße 16 im Jahre 1907. Es wurde damals von einer Putzfederfabrik, einer Rüschenfabrik und einer Hutfabrik genutzt. Nach 1931 befand sich hier u.a. die Möbelfabrik „Heim und Gerken“.
Das benachbarte Geschäftshaus in der Wallstraße 15 wurde im Jahre 1910 für den Pforzheimer Gold- und Silberwarenhändler Richard Lebram von den Architekten Hoeninger & Sedelmeier erbaut. Zwischen 1935 und 1943 nutzten die Nähseiden- und Garnfabriken Mez und Gütermann das Gebäude. Dank seiner prachtvollen, für die Jahrhundertwende typischen Bauweise steht das Geschäftshaus Lebram heute unter Denkmalschutz.
Das heutige Gebäude der Australischen Botschaft, Wallstraße 76-79, beherbergte nach seiner Erbauung durch den Architekten Fritz Crzellitzer 1912/13 die Bekleidungsindustrie mit Engroshäusern und Herstellungsbetrieben. . |
Die Geschichte der Wallstraße... |



